Elektroplanung · Gebäudeautomation · EIB / KNX

Planung & Installation eines
KNX‑Gebäudesystems

Vom Busankoppler bis zur Szene: ein technischer Leitfaden durch Aufbau, Komponenten und Praxisbeispiele der KNX-Gebäudesystemtechnik — dem offenen Standard für intelligente Elektroinstallation.

30 V
Bus-Kleinspannung (SELV)
9600
Bit/s Übertragungsrate
EN 50090
Europäische Norm
1990
Gegründet als EIB
KNX-BUSLEITUNG (VERDRILLTES 2-DRAHT-KABEL) Taster Sensor Busankoppler Aktor Leuchte
01 · Grundlagen

Was ist KNX?

KNX ist ein herstellerunabhängiger, weltweit genormter Standard für die Gebäudesystemtechnik. Er hat sich aus dem European Installation Bus (EIB) entwickelt und ermöglicht es, Sensoren, Aktoren und Bedienelemente über eine gemeinsame Busleitung miteinander zu vernetzen — unabhängig vom Hersteller der einzelnen Geräte.

Anders als bei einer klassischen Elektroinstallation, bei der jeder Schalter direkt mit dem zu schaltenden Verbraucher verdrahtet ist, kommunizieren bei KNX alle Teilnehmer über ein separates Datenkabel. Schaltbefehle werden als Telegramme über den Bus gesendet und von den zuständigen Aktoren ausgewertet und ausgeführt.

Dieses Prinzip macht Gebäude flexibel: Funktionen wie Lichtszenen, Zeitprogramme oder Verknüpfungen zwischen Jalousie und Wetterstation lassen sich per Software projektieren, ohne dass neue Leitungen verlegt werden müssen.

TopologieLinie / Bereich / Bereichslinie
Max. Teilnehmer je Linie64 (mit Repeatern 256)
KabeltypKNX-Buskabel (z. B. YCYM 2×2×0,8)
Max. Leitungslänge1000 m je Linie
MedienTwisted Pair, RF, IP, Powerline
ProjektierungssoftwareETS (Engineering Tool Software)
02 · Systemarchitektur

Aufbau eines KNX-Systems

Ein KNX-System gliedert sich in Linien, die über Linienkoppler zu Bereichen zusammengeschlossen werden. Jeder Teilnehmer besitzt eine eigene physikalische Adresse und ist über die Busleitung sowohl mit Spannung als auch mit Daten versorgt.

FN.01

Linie

Grundeinheit der Topologie mit bis zu 64 Teilnehmern, versorgt über eine zentrale 30-V-Bus‑spannungsversorgung mit Drossel.

FN.02

Linienkoppler

Verbindet mehrere Linien zu einem Bereich und filtert Telegramme, damit nur relevanter Datenverkehr weitergeleitet wird.

FN.03

Spannungsversorgung

Erzeugt die 30-V-Bus‑kleinspannung (SELV) und entkoppelt die Linie über eine Drossel von Störungen.

FN.04

Physikalische Adresse

Jedes Gerät erhält eine eindeutige Adresse (Bereich.Linie.Teilnehmer), z. B. 1.1.12, zur eindeutigen Identifikation im Bus.

03 · Komponenten

Die Bausteine des Systems

Fünf Komponententypen bilden das Rückgrat jeder KNX-Installation — von der physischen Busleitung bis zur digitalen Visualisierung.

01

KNX-Busleitung

Verdrilltes, geschirmtes 2-Draht-Kabel, das Daten- und Spannungsversorgung (30 V SELV) gemeinsam zu allen Teilnehmern führt. Meist grün-rot ummantelt.

02

Sensoren

Erfassen Zustände — Bewegung, Helligkeit, Temperatur, Wind — und senden bei Änderung ein Telegramm auf den Bus.

03

Aktoren

Schalten Verbraucher wie Licht, Steckdosen, Jalousiemotoren oder Heizventile auf Basis empfangener Bus-Telegramme.

04

Taster

Bedienelement für Nutzereingaben — ein Tastendruck erzeugt ein Schalt-, Dimm- oder Jalousietelegramm auf dem Bus.

05

Visualisierung

Software oder Touch-Panel, das den Systemzustand darstellt und die zentrale Bedienung aller Funktionen ermöglicht.

04 · Anwendung

Beispiele aus der Praxis

Typische Anwendungsfälle, die den Mehrwert einer KNX-Installation gegenüber klassischer Elektrik zeigen.

Lichtsteuerung
Zentrales Ein-/Ausschalten, Dimmen und Zeitsteuerung von Leuchten, gekoppelt an Präsenz- und Helligkeitssensoren.
Schalt-/Dimmaktor
Jalousien
Automatische Fahrt nach Sonnenstand, Wind- und Regenwächter-Verknüpfung sowie manuelle Bedienung über Taster.
Jalousieaktor
Raumtemperatur
Raumtemperaturregler vergleichen Soll- und Istwert und steuern Heizungs- oder Kühlventile über den Bus.
Heizungsaktor
Szenensteuerung
Ein Tastendruck ruft eine gespeicherte Kombination mehrerer Aktionen ab — z. B. Licht dimmen, Jalousie schließen, Musik starten.
Szenen-Baustein
05 · Bildreferenz

Komponenten im Überblick

Schematische Darstellungen der wichtigsten physischen Bauteile einer KNX-Installation.

30V PS
KNX-Schaltschrank
Reiheneinbaugeräte auf Hutschiene: Sicherungen, Busankoppler und Spannungsversorgung.
BCU BUS-KLEMME
Busankoppler (BCU)
Verbindet das Anwendungsmodul mit dem Bus und verwaltet die physikalische Adresse.
Taster / Bedienelement
Wandmontierter 2-fach-Taster zur Bedienung von Licht, Jalousie und Szenen.
230 V ~ / KNX-Bus getrennt geführt
Verdrahtung
Bus- und 230-V-Leitung werden getrennt geführt — grün-rotes Buskabel neben der Netzleitung im Kabelkanal.